Die Position der Frau in Afghanistan

Afghanistan allgemein:

Afghanistan ist ein Binnenstaat und liegt in Süd-West-Asien. Es hat eine Fläche von 652.225 km² und grenzt nördlich an Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan. Im Westen grenzt Afghanistan an den Iran, im Osten und Süden an Pakistan und nordöstlich an China. Das Land ist sehr dünn besiedelt, insgesamt leben 30,5 Millionen Menschen dort, das entspricht ca. 38 Einwohnern je Quadratkilometer. 99% der Bevölkerung gehören dem muslimischen Glauben an und bekennen sich zum Islam. In Afghanistan wird Paschtu und Dari gesprochen. Die Hauptstadt des Landes ist Kabul. Zudem gehört Afghanistan zu einen der ärmsten Entwicklungsländern der Welt. (vgl. http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/4407)

afghanistan_map_201012worldfactbook_300_1

(http://www.state.gov/img/10/40922/afghanistan_map_201012worldfactbook_300_1.jpg)

Zur Rechtslage in Afghanistan

Islamische Vorschriften prägen das Familien-, Straf- und Erbrecht stark. Bis 1989 galten die reformierte Verfassung und Gesetze, welche 1978 von Tarakis Regierung eingeführt wurden. Die Scharia wurde 1990 wieder eingeführt. (vgl. http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/4407 ) Nach dem Sturz der Taliban 2001, verabschiedete Afghanistan 2004 eine Verfassung, welche sich einerseits zur Scharia bekennt und andererseits allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Für die Scharia gibt es keine allgemeingültige Definition, ihre Interpretation hängt u.a. von politischen und radikalislamistischen Einflüssen ab. (vgl. http://www.taz.de/!128176/) Nach dem Sturz der Taliban ratifizierte 2003 die Regierung Kersais ohne Vorbehalt die die UN-Konvention zur Beseitigung jeglicher Form von Diskriminierung gegen Frauen. In der Verfassung von 2004 wurden die Frauen rechtlich gleichgestellt. (vgl. http://www.bpb.de/internationales/asien/afghanistan/48638/frauenrechte?p=all) Allerdings wird auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung darauf hingewiesen, dass die Gleichberechtigungszusagen potenziell dadurch in Frage gestellt werden, „dass in der Islamischen Republik Afghanistan laut Artikel 3 der Verfassung kein Gesetz im Widerspruch zu den Grundlagen des Islam stehen darf.“ (http://www.bpb.de/internationales/asien/afghanistan/48638/frauenrechte?p=all) Dies lässt prinzipiell recht unterschiedliche Interpretationen offen. „Tatsächlich aber verfügt laut Artikel 121 der Verfassung der Oberste Gerichtshofs über die Macht, Verfassung, Gesetze und Gesetzesdekrete zu interpretieren. Die Deutungshoheit im Falle von Konflikten obliegt somit einer Instanz, die größtenteils aus islamistischen Hardlinern besteht und der keine Frau angehört.“ (http://www.bpb.de/internationales/asien/afghanistan/48638/frauenrechte?p=all)

Die aktuelle Position der Frau in Afghanistan

Laut Verfassung haben Frauen zwar Rechte, diese würden aber nicht umgesetzt werden, berichtet Laila Noor, Vorsitzende der Vereinigung unabhängiger afghanischer Frauen. Auf der Liste des Global Peace Indexes 2013 ist Afghanistan das unfriedlichste Land der Welt. Die Vorsitzende der Vereinigung unabhängiger afghanischer Frauen berichtet zwar, dass sich nach der Taliban Zeit 2001 die Position der Frau etwas verändert habe, dass Frauen im Parlament und im Kabinett vorzufinden seien, dennoch werden noch viele Mädchen von ihrer Familie und ihren Väter zwangsverheiratet. Dies geschieht u.a. wegen der immer stärker wachsenden Armut in Afghanistan. Laila Noor berichtet zudem, dass der Schleierzwang in Afghanistan 1959 aufgehoben wurde und es derzeit auch keinen Zwang von Staatsseite her gibt, eine Burka in der Öffentlichkeit zu tragen. Sie denkt, dass Frauen die Burka u.a. aus familiären Gründen tragen. Eine Möglichkeit, die Lage der Frau in Afghanistan zu ändern, sieht sie v.a. in der Bildung. Wichtig sei es, den Männern in Afghanistan Bildung zu verschaffen, sodass diese lernen können, Frauen Respekt entgegen zu bringen, und den Respekt vor ihren Frauen, ihren Töchtern und ihren Schwestern erlernen können. (vgl. http://www.deutschlandfunk.de/rechte-der-frauen-in-afghanistan-sehr-sehr-schlecht.694.de.html?dram:article_id=256888)

Auch Caritas International berichtet von der schlechten Lage der Frau in Afghanistan. Frauen, welche in Afghanistan zur Welt kommen, werden mit viel größerer Wahrscheinlichkeit in Elend und Armut leben, als ein Mann. Dennoch wird auch hier wieder betont, dass Frauen und Männer laut der afghanischen Verfassung vor dem Gesetz gleich sind. Doch v.a. alleinstehende Frauen werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Das niedrigste Einkommen in Afghanistan weisen Frauen ohne Ehemann auf. Diese erkranken auch statistisch gesehen am häufigsten. Aus Armut bleibt Familien häufig nichts anderes übrig, als ihre erst 13-jährigen Töchter zwangszuverheiraten. 70% der von Caritas befragten Frauen stehen weniger als 2 Dollar für die gesamte Familie pro Tag zur Verfügung. Bei einer Durchschnittsgröße von fünf Personen pro Familie stehen jedem Familienmitglied so gerade einmal 20 Cent zur Verfügung.

Eine weitere Caritas-Studie besagt, dass v.a. alleinstehende Frauen, welche verwitwet oder geschieden sind, ohne männlichen Schutz oft der Willkür anderer Männer ausgeliefert sind. Gewalt wird diesen Frauen oft von Männern aus der eigenen, erweiterten Familie angetan. Auch Frauen, welche von ihren Männern verlassen wurden, aber nicht die Erlaubnis zur Scheidung bekommen, müssen in der ständigen Angst leben, zurückgefordert zu werden oder des Ehebruchs angeklagt zu werden, wenn sie selbst einen neuen Mann kennenlernen sollten. Eine Anklage des Ehebruchs hat in Afghanistan lange Haftstrafen für die Frau zur Folge oder kann in einigen Teilen des Landes sogar mit einer Steinigung bestraft werden. (vgl. http://www.caritas-international.de/hilfeweltweit/asien/afghanistan/frauen-in-afghanistan)

In Afghanistan beträgt das gesetzliche Mindestheiratsalter für Mädchen 16 Jahre, aber das wird außerhalb der Stadt Kabul von niemanden beachtet, und oft auch nicht einmal dort. Auch die Zeitung „Die Welt“ berichtet immer wieder von jungen afghanischen Mädchen, welche zur Ehe gezwungen wurden, wie z.B. die 15-jährige Sahar Gul, welche durch ihren Bruder im Alter von 14zwangsverheiratet wurde. Dieser hatte Spielschulden und verkaufte deswegen seine Schwester an die Familie seines Gläubigers. Sahar Gul musste einen 30-jährigen Soldaten heiraten und in das Haus seiner Familie einziehen. Ein halbes Jahr später wurde sie von der Polizei befreit, aus einem dunklen, fensterlosen Kellerraum. Die Polizei berichtet von einer körperlichen und psychischen Folterung. (vgl. http://www.welt.de/politik/ausland/article106414714/Als-Frau-in-Afghanistan-lernst-du-dich-zu-hassen.html)

Dies ist jedoch leider, auch nach mehr als zehn Jahren nach dem Sieg über die Taliban, keine Ausnahme in Afghanistan. Laut einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam seien mehr als 87 Prozent der Afghaninnen schon Opfer von familiärer Gewalt geworden. 2012 konstatierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch:

„Afghanische Frauen leiden unter Belästigung, Bedrohungen und manchmal sogar Mord. Zwangsheiraten, die Verheiratung Minderjähriger und häusliche Gewalt sind weitverbreitet und noch immer zu sehr akzeptiert.“ (http://www.welt.de/politik/ausland/article106414714/Als-Frau-in-Afghanistan-lernst-du-dich-zu-hassen.html)

Die Zeitung „Die Welt“ berichtet, dass die Regierung die Frauen in Afghanistan nicht schützen könne und nicht schützen wolle. Viele mutige Frauen, welche für ihr Recht und das der anderen Frauen in Afghanistan eingetreten sind, mussten diesen Mut mit dem Tod bezahlen. Sie sind ohne Schutz, die Regierung in Kabul kann oder will diese mutigen Frauen, welche offene Morddrohungen erhalten, nicht schützen. Das Ergebnis einer Befragung auf den Straßen Kabuls gab an, dass ein Großteil der Frauen täglichen Beschimpfungen und sexuellen Belästigungen ausgesetzt sei und auf offener Straße unsittlich berührt worden sei. Es wird berichtet, dass in der afghanischen Gesellschaft der Respekt vor Frauen fehle, und dass den afghanischen Frauen vor allem das Selbstbewusstsein fehlt. Ein Grund hierfür liegt v.a. in der mangelnden Bildung. Nur 13 Prozent der Afghaninnen könnten schreiben und lesen. Noch immer ist ihnen der Zugang zu Schulen und Universitäten erschwert, auch wenn dies inzwischen verfassungsrechtlich garantiert werde, v.a. dann, wenn sie nicht in Kabul oder in anderen Großstädten aufwachsen, sondern in ländlichen Provinzen. (vgl. ebd.)

Die Gründe hierfür beschreibt die afghanisch-amerikanische Rechtsanwältin Mariam Atasch Nawabi wie folgt: „Die Jahre des Krieges in Afghanistan haben die Gewalt in die Häuser getragen. Die Stammesgesetze sind noch immer dominant. Der Weg, dies zu ändern, wird nur über Schulbildung und einen besseren Zugang zur Justiz führen.“ (http://www.welt.de/politik/ausland/article106414714/Als-Frau-in-Afghanistan-lernst-du-dich-zu-hassen.html)

Auch die Tagesschau berichtet, dass es noch ein weiter Weg sei bis zur Gleichstellung der Frau in Afghanistan. Zwangsheirat, Unterdrückung und Gewalt, dies gehört nach wie vor zum Alltag der Afghaninnen. Frauen müssen ihren Männern nach der Hochzeit gehorchen. Ansonsten drohen ihnen Schläge oder Gefängnis. Auch hier wird wieder betont, dass der afghanische Staat eigentlich festgesetzt hat, dass Mädchen erst mit 16 heiraten dürfen. Doch fast 60 Prozent müssten heiraten, bevor sie 16 Jahre alt seien. Zudem seien laut der afghanischen Menschenrechtskommission mindestens 70 Prozent aller Ehen Zwangsehen. (vgl. http://www.tagesschau.de/ausland/frauentag196.html)

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass „fast 90 Prozent aller afghanischen Frauen im Alltag körperliche oder seelische Gewalt erleben.“ (http://www.welt.de/politik/ausland/article106414714/Als-Frau-in-Afghanistan-lernst-du-dich-zu-hassen.html) Zusammenfassend berichtet die Tagesschau:

„Durch den westlichen Einmarsch vor bald 13 Jahren sind zerbrechliche Freiräume für Frauen entstanden. Heute gehen fast drei Millionen Mädchen zur Schule. Etwa 28 Prozent der Abgeordneten im Parlament sind Frauen. Es gibt ein landesweites Gesetz, dass Frauen vor häuslicher Gewalt schützen soll. Doch Ermittler und Gerichte wenden es kaum an. Das seit über 30 Jahren vom Krieg zerfressene Afghanistan ist ein tief konservatives Land, in dem Männer Frauen jederzeit angreifen können.“ (http://www.welt.de/politik/ausland/article106414714/Als-Frau-in-Afghanistan-lernst-du-dich-zu-hassen.html)

Advertisements